Mittwoch,11. Oktober 2017, 19.30 Uhr

 

Gemeindesaal der Evangelischen Kirche Am Brandenbusch, 

Am Brandenbusch 6 a, 45133 Essen-Bredeney

 

 

Karl Schmidt-Rottluff,  Wäscherinnen am Meer, 1921, Kunstmuseum Mülheim an de Ruhr,

© VG Bild-Kunst, Bonn

 

 

Fern der großen Städte

Expressionismus der 1920er Jahre

 

Vortrag zur Ausstellung im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

(24. September 2017 bis 14. Januar 2018)

 

von Dr. Beate Reese (Direktorin)

 

Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr zeigt vom 24. September 2017 bis zum 14. Januar 2018 die Ausstellung „Fern der großen Städte – Expressionismus der 1920er-Jahre“ mit Gemälden, Zeichnungen und Grafiken u. a. von Erich Heckel, Max Kaus, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Müller, Karl Schmidt-Rottluff sowie Otto Pankok.

 

Zur öffentlichen Sammlung der Stadt Mülheim an der Ruhr und der im Kunstmuseum beheimateten Sammlung Ziegler gehören bekannte Werke eines späten Expressionismus.

 

Beispielhaft zu nennen sind das doppelseitig bemalte Gemälde Der Schwimmer von Erich Heckel aus dem Jahr 1919 (rückseitig Fronleichnamsprozession in Brüggen) sowie Im Bergbach badende Frauen aus der Schweizer Zeit von Ernst Ludwig Kirchner (rückseitig Zwei Frauenakte, 1911), aber auch Heckels Aquarell Steiles Klüfte-Ufer, dessen Stadt-Ansicht Gent aus der Sammlung Ziegler, das Gemälde Wäscherinnen am Meer von Karl Schmidt-Rottluff oder die Dorfhäuser von Otto Müller (1922).

 

Die Auflösung der Künstlergemeinschaft „Brücke“ im Jahr 1913 und der darauf folgende Ausbruch des Ersten Weltkriegs blieb nicht ohne Folgen. Es kam zu einer Vereinzelung der ehemaligen Brücke-Mitglieder und zur Flucht von Ernst Ludwig Kirchner in die Schweiz.

Nach Kriegsende traten die ehemaligen Brücke-Expressionisten in eine beruhigtere und gemäßigtere Phase ein. Die ehemaligen Außenseiter und Revolutionäre der Kunst avancierten in der Weimarer Republik zu angesehenen und offiziell anerkannten Künstler. Es kam vermehrt zu Ausstellungen, Ankäufen und zu Aufträgen der von Staat und Städten getragenen, sich neu gestaltenden Kunstmuseen.

 

1918/19 wandelte sich auch die Bildsprache der Expressionisten, die zuvor ein vitales Lebensgefühl zum Ausdruck gebracht hatten, getragen von der Aufbruchsstimmung einer jungen Generation. Die Erfahrungen des Krieges wirkten nach und veränderten auch die  künstlerische Ausdrucksweise. Eine Beruhigung der Formen ist ebenso zu beobachten wie der Rückzug in abgeschiedene Regionen an der Ostsee. Die Sehnsucht nach einem harmonischen Dasein in der Natur und die Suche nach privatem Glück bestimmten die Motivwahl und die künstlerische Gestaltung.

 

Jüngere Künstler, zu denen u. a. Max Kaus und Otto Herbig gehörten, bildeten um Erich Heckel einen neuen Künstlerkreis. Wie Walter Gramatté und Martel Schwichtenberg, so folgten auch sie den älteren Vorbildern im Streben nach der Verbildlichung inneren Erlebens nach. Zugleich sind auch neue Einflüsse zu beobachten, wie eine bewusste Komposition der Form und eine geordnete und kalkulierte Bildsprache.

 

Im Unterschied zum Brücke-Expressionismus der 1910er-Jahre haben diese in den 1920er-Jahren entstandenen Werke bislang in der Forschung weniger Beachtung gefunden. Da Hauptwerke der öffentlichen Sammlung des Kunstmuseums und der Stiftung Sammlung Ziegler nach Kriegsende in der Weimarer Republik entstanden sind, unternimmt es die Ausstellung, diese, ergänzt um Leihgaben u.a. aus dem Brücke Museum Berlin, in einen kunstwissenschaftlichen Kontext zu stellen.

 

Des Weiteren blickt die Ausstellung auch auf die Werke einer jüngeren Generation. Befreundet und inspiriert von den ehemaligen Brücke-Expressionisten, fanden sie eigene Wege eines beruhigten Expressionismus.

 

Im Grafik-Raum des Museums wird der in Mülheim-Saarn geborene Otto Pankok ergänzend mit spätexpressionistischen Arbeiten vorgestellt. Er steht beispielhaft für jene Künstler, die nach dem Ersten Weltkrieg die Konventionen aufbrechende expressionistische Formensprache wieder aufnahmen, um die Umbrüche der Zeit mit ihren Erschütterungen zum Ausdruck zu bringen.  Dieser revolutionäre Impetus klingt um 1924 ab.

 

Ergänzend ist in den Räumen der Sammlung Ziegler die

Studio-Ausstellung zum 150. Geburtstag von Emil Nolde

mit ca. 45 Werken zu sehen.

 

 

 

Nächste Veranstaltung:

 

Mittwoch, 11. Oktober 2017

 

19.30 Uhr

 

Ev. Kirche Am Brandenbusch

Am Brandenbusch 6 a

45133 Essen

 

Fern der großen Städte. Expressionismus der 1920er Jahre

Erich Heckel, Der Schwimmer, 1919, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr,

© Nachlass Heckel, Hemmenhofen

 

 

Ein Vortrag mit Bildern

zur Ausstellung im

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr (24.10.2017 - 14.1.2018)

 

von

 

Dr. Beate Reese

(Direktorin des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr)